Die 80er: Amiga und Rattanmöbel

Es gibt Dinge, die Jahrzehnte charakterisieren. Waren es in den seventies die langen Haare und die Plateauschuhe, so fallen einem zu den 1980er Jahren Bilder ein, die einen neuen Zeitgeist prägten: Wie da nämlich einer auf seinem Rattansessel saß und auf dem Amiga 500 Turrican spielte. Seine Eltern saßen derweil draußen inmitten ihrer Rattan Garten Möbel und wunderten sich ein bißchen - wieso kommt der Junge nicht raus, ist doch so schönes Wetter? Na immerhin macht er keinen Krach...

Die Eltern konnten da etwas nicht verstehen, was den Sohn in seinen Bann gezogen hatte. Natürlich war bekannt, daß Computer im Vormarsch waren und man sich besser nicht von der Entwicklung überholen lassen sollte. Aber das Phänomen Amiga war eine eigene Qualität. Wo die sterilen PCs mehr als notwendiges Übel betrachtet wurden, sprachen im Amiga die Entwickler zum User. Mit viel Humor bekanntlich. Das heißt, die Eltern, leicht ratlos inmitten der Rattan Garten Moebel, dachten, der Junge würde sich bloß mit einem Computer beschäftigen. Tat er aber nicht. Er saß an einer Schaltstelle, an der die Entwickler zu ihm sprachen.

Da war Jay Miner, der seinen Hund Mitchy über neue Chip-Entwürfe entscheiden ließ. Da war Larry Kaplan, der seine Firmen wechselte wie andere Leute Hemden. Da war Carl Sassenrath, dessen heutiger Blog "Vive la REBOLution" heißt. Und die vielen kleinen Gags im inneren, und dann auch noch der Schriftzug "B52/ROCK LOBSTER" auf der Platine...

Und das in der Stimmung der 80er, als schon bekannt war, wieviel Geld in diesem Business stecken würde und Spitzel an der Tagesordnung waren. Es kam sogar vor, daß Späher mit Ferngläsern im Gebüsch saßen, um in durch das eine oder andere Fenster ein paar Betriebsgeheimnisse oder Formeln zu erhaschen...

Alles bekam Namen und wurde personalisiert. Sie waren cool, sie würden die Welt übernehmen, und sie waren -bei aller Kompetenz und Tüftelei - sehr, sehr lieb. Das blieb hängen bei einem Jungen auf seinem Rattansessel.

Und jetzt kommen sie also wieder. In eine Zeit, die nicht mal mehr von Windows gepestet ist - man hat sich einfach daran gewöhnt, daß man ständig verarscht wird. Oder doch nicht?